William Thomas Mulvany (1806-1885)
Erste Tiefbauzeche in Gelsenkirchen 6. Juli 1854.
Nach einer Besichtigung im Herbst 1853 erwirbt der Ire William
Thomas Mulvany von Ludwig von Oven die Rechte an dem Grubenfeld Ludwigsglück auf dem Wiehagen in der Nähe des Gelsenkirchener
Bahnhofs.
Nach der Gründung einer neuen Berggewerkschaft unter ausschliesslich irischer Beteiligung am l.. März 1855 in Bochum
beginnen im selben Jahr, am 17. März 1855, dem irischen Nationalfeiertag St. Patrick, die Abteufarbeiten für den ersten
Tiefbauschacht auf dem Gebiet der späteren Stadt Gelsenkirchen. Die Leitung des Unternehmens hat der englische Ingenieur
William Coulsen, der namhafteste und erfolgreichste Experte im Schachtabteufen in Europa. Statt die Schachtwände auszumauern,
kleidet Coulsen sie nach einem neuen Verfahren mit gusseisernen Ringen, sog. Tübbings, vollständig aus. In einer Rekordzeit
von zwei Jahren erreicht der Schacht am 9. Juli 1857 auf 112 m Tiefe das erste Kohleflöz. Im Sommer 1858, nach Durchteufen
von sechs Flözen, nimmt die Zeche mit einer Belegschaft von 200 Mann die Förderung auf. Anlässlich der Vereinigung des
Grubenfeldes Ludwigsglück mit dem benachbarten Feld Neu-Christianenglück am 18. April 1857 gibt Mulvany der Schachtanlage
den Namen Hibernia. Hibernia ist der lateinische Name für Irland und bedeutet Grüne Insel.
Mulvany wird in der Nähe von Dublin
geboren. Nach einer überaus erfolgreichen Karriere bei der
irischen Kanalbaugesellschaft sieht er 1852 die Möglichkeit,
sich im aufstrebenden Ruhrgebiet als selbständiger Unternehmer
zu betätigen. Mulvany, eine schillernde Persönlichkeit im
Ruhrgebiet der Gründerzeit, gibt seinen Zechen Namen, die
seine Liebe zum irischen Vaterland widerspiegeln. 1854 gründet
er in Buer die "Bergwerksgesellschaft Hibernia AG", der er den
lateinischen Namen seiner Heimat gibt. 1855 wird mit dem
Abteufen des Schachtes begonnen.
Die ungewöhnlich
kurze Teufzeit ist durch die Abstützung der Schachtwände mit
den neu erfundenen Tübbing-Ringen möglich, mit deren Hilfe
auch unter schwierigen geologischern Bedingungen Schächte
niedergebracht werden können. Bereits im Jahr 1856 wird auch
der erste Schacht seiner Zeche "Shamrock" in Wanne-Eickel
niedergebracht, die er nach dem Symbol Irlands benennt, dem
Kleeblatt.
Um das dreiblättrige Kleeblatt seiner
Bergwerke zu vervollständigen, erwirbt Mulvany zwischen 1858
und 1866 umfangreiche Bergfelder, die er 1867 in der Zeche
"Erin" zusammenführt. Der Name geht auf die gälische
Bezeichnung für die "Grüne Insel" zurück. Die allgemeine
Wirtschaftskrise, die 1873 dem Boom nach dem gewonnenen Krieg
1870/71 folgt, sowie Probleme auf "Erin" bringen die
Muttergesellschaft "Hibernia" in wirtschaftliche
Schwierigkeiten. Zudem gibt es eine stark nationalistische
Tendenz unter den deutschen Unternehmern, die ausländisches
Kapital aus dem Ruhrgebiet verdrängen wollen. So wird
schließlich auch die "Hibernia", und mit ihr die Zeche "Erin",
an die "Gelsenkirchener Bergwerks AG" (GBAG) verkauft, die in
der Folge zum größten Bergwerkskonzern des Ruhrreviers wird.
Nach dem Rückzug aus der Hibernia AG
wendet sich Mulvany der Verkehrs- und Wirtschaftspolitik zu.
Er wird 1871 Vorsitzender des "Vereins zur Wahrung der
Interessen rheinischer und westfälischer Unternehmer im
Rheinland und Westfalen", den der Reichskanzler Bismarck immer
nur den "Langnamverein" nennt. Wichtige Zielsetzung des
Vereins ist die Einführung von Schutzzöllen gegen billige
Roheisenimporte.